
Tamiya FF-03 Pro
Mal wieder ein Chassis mit Motor vorne, Antrieb vorne von Tamiya. Ich hatte vor etlichen Jahren schon viel Spaß mit dem unkomplizierten FF-02 Clio. Dieses Chassis ist allerdings nicht mein eigenes; ich baue es für einen Freund auf. Einen Fahrbericht wird es deswegen nicht geben.
Das Chassis ist in Japan innerhalb kürzester Zeit an die Spitze der Verkaufscharts gestürmt. Der günstige Preis und die geringen Unterhaltskosten und Wartungsaufwand -im Vergleich zum 4WD Tourenwagen- sind die Hauptgründe für den Erfolg.
Die vorderen Dämpfer sind liegend angeordnet. Man kennt den Mechanismus von anderen IFS-Modellen. Technisch interessant, praktisch, wenn man flache Karosserien fahren will, aber für die Abstimmmung finde ich es nicht so überzeugend.
Im Folgenden ein kleiner Baubericht...
Die Pro-Kits kommen in kleinen Pappkoffern, die gut aussehen und die man auch als Transportkoffer für das fertige Chassis verwenden kann (falls sie einem nicht zu schade dafür sind).
Reifen, Motor und Karosserie sind bei den Pro-Modellen nicht enthalten. Stattdessen gibt es feine Dämpfer und etwas Blingbling.
Als Schmiermittel sind Molybdän-, Keramik- und das recht klebrige "Anti-Wear Grease" enthalten. Natürlich sind auch die üblichen kleinen Werkzeuge in den Plastiktütchen. Schraubensicherungslack ist leider nicht dabei.
Angefangen wird mit dem Kugeldifferential und der Getriebebox. Der Aufbau ist konventionell. Spiralfeder auf der einen, Drucklager auf der andere Seite und ein Dutzend Kugeln in der Mitte. Im Getriebegehäuse finden drei Zahnräder Platz. Die innere Übersetzungsstufe beträgt 2,60:1.
Auf die Diffausgänge kommen Ringe aus Plastik, die ein Aufspreizen verhindern.
Der Getriebeblock wird an den blauen Motorträger aus Alu geschraubt. Auf der Gegenseite hält ein bogenförmiges Plastikteil die Konstruktion im Gleichgewicht.
Das Hauptzahnrad ist Modul 0,6 und hat 68 Zähne. Mit dem enthaltenen 26T-Aluritzel ergibt sich eine Gesamtübersetzung von 6,80:1.
Weiter im Bau geht es mit dem Bulkhead vorne, der die liegenden Dämpfer aufnehmen wird. Am gesamten Fahrzeuge kommen fast nur die blauen Alukugelköpfe zum Einsatz. Sieht zumindest schick aus. Die Umlenkarme für die Dämpfer drehen sich um Gleitlager. Ein Tropfen Öl oder leichtes Fett läßt diese sehr reibungsarm laufen.
Das Chassis wirkt sehr lang, weil es so schmal ist. Hier durften sich wieder die Fachwerkspezialisten von Tamiya austoben.
Die Lenkung ist nicht kugelgelagert; Gleitlager kommen zum Einsatz. An dieser Stelle baut man auch das erste mal die Rechts-Links-Gewindestangen aus blauem Alu zusammen. Auch sehr schick.
Lenkung und Bulkhead landen letztlich auf dem Wannenchassis. Der zentrale Schacht, in den der Akku längs eingelegt wird, läßt das Chassis sehr aufgeräumt aussehen.
Die Querlenker sind übliche Tamiyateile. Es gibt eine Schraube um den Ausfederweg einzustellen. Die Aufhängungshalter sind aus Plastik.
Der vordere Bulkhead findet seinen Platz auf dem Chassis. Schön ist, daß noch Platz für einen Rammer und Schaumstoffstoßfänger bleibt. Das schont das Chassis.
Für den Zusammenbau der vorderen Radträger sollte man ein paar Shims bereit halten. Für hinten wird man sie auch benötigen. Das ist etwas viel Spiel vorhanden.
Leider kommen vorne Knochen und keine Kardans zum Einsatz. Ich würde gerne auf blaues Blingbling zu Gunsten ein paar schöner Kardans verzichten.
Auf der rechten Seite macht sich wieder ein typisches Tamiyaproblem bemerkbar. Der Knochen ist so lang, daß er innen an der Mutter der Diffschraube anstößt und den Arm nicht ganz ausfedern läßt. Ich habe das halbe Urethanpolster, das man in die Diffausgänge stopfen soll weggelassen. Das mindert das Problem deutlich. Noch besser ist es, wenn man das Knochenende chassisseitig etwas abschleift.
Die für Fronttriebler typische Kopflastigkeit ist jetzt schon deutlich zu erkennen.
Es wird Zeit ein paar Teile auf das nackte hintere Ende des Chassis zu packen!
Jetzt muß man sich entscheiden, ob man die lange, mittlere oder kurze Version bauen will. 233mm, 245mm und 257mm sind möglich. Die verschiedenen Radstände werden über eine Platte und zwei Streben eingestellt. Eine sehr praktische Option. Auf den Photos ist die lange Version zu sehen.
Für den hintersten Aufhängungshalter hat man die Wahl zwischen drei Teilen. Je nachdem, welches man verwendet, erhält man 2,0°, 2,5° oder 3,0° Vorspur an der Hinterachse.
Die hintere Dämpferbrücke ist konventionell aufgebaut. Wie auch vorne ist sie schon für die Aufnahme von Stabilisatoren vorbereitet.
Bei den hintere Radträgern sollte man wieder zu Shims greifen.
Die Dämpfer sind die bekannte TRF-Qualität und über jeden Zweifel erhaben. Sicherlich die feinsten Teile am Chassis. Hinten kommen die gelben Federn zum Einsatz, vorne dürfen die blauen ihr sprunghaftes Dasein fristen. Als Dämpferöl wird Tamiya #400 eingefüllt.
Die hinteren Dämpfer lassen sich alternativ auch an der Vorderseite der Querlenker befestigen.
Die Elektronik im Chassi wird auf zwei seitlichen Platten untergebracht. An der Kugelpfanne servoseits mußte ich sehr viel Material wegnehmen, damit sie nicht am Servo schleift. Das mag bei anderen Servomodellen besser ausgehen. Am Servosaver überträgt ein Horn aus Alu die Kraft auf das Lenkgestänge.
Mein Fazit zum Bau und indirekter Praxisbericht
Bis auf den rechten vorderen Knochen und die Kugelpfanne am Servosaver gab es keine Probleme. Teilweise ist das Plastik etwas weich. Beim Eindrehen der Schrauben sollte man gefühlvoll vorgehen. Die Dämpfer sind klasse, Kardans vorne wären schön gewesen, auch wenn das Modell dann etwas mehr gekostet hätte.Das Modell ist nicht meines. Ich war aber bei der ersten Ausfahrt dabei. Es waren am gleichen Tag auch schon vier andere FF03 auf der Strecke. Ich hatte es geahnt, war aber doch gespannt ob es nicht doch klappt: Der 4000kV-Brushlessmotor ließ das Kugeldiff sehr alt aussehen und es löste sich sehr schnell. Wer nicht aufpasst, bringt es zum schmelzen. Alle andere FF03 waren mit 30T-Bürstenmotoren unterwegs (diese Motoren werden auch bei den meisten M-Chassis-Rennen gefahren). Die eindeutig bessere Wahl.
Das Fahrverhalten sah sehr neutral aus. Seinen Fahrstil muß man natürlich auf den Fronttriebler umstellen. Mir sind die etwas zu langweilig. Wer aber nicht viel Zeit für das Setup aufbringen will oder Anfänger ist, sollte schnell mit dem Chassis zurecht kommen. Einfach zu fahren ist es.






















