How To - Motoren
Für Anfänger ist der Motor das wohl verwirrendste Teil am RC-Car. Verschiedene Windungen in verschiedenen Ausführungen und diverse Einstellmöglichkeiten machen die Entscheidung nicht leicht, wenn man etwas schnelleres als den Baukastenmotor fahren möchte.
Ich werde versuchen, hier etwas Licht ins Dunkle zu bringen.

Ich will mit der Beschreibung der einzelnen Teile anfangen.
Im Motor dreht sich der Anker. Er ist meist dreipolig ausgeführt. Um die einzelnen Pole ist ein Kupferdraht gewickelt. Auf der einen Seite des Ankers befindet sich eine zylinderförmige, blanke Kupferfläche. Dies ist der Kollektor. Hier setzen die Kohlen an. Der Kollektor ist die Verbindung zur Stromzufuhr.
Anker
Motoranker. Links ist der Kollektor.

Der Anker dreht sich im Gehäuse. In ihm sitzt ein Kugellager/Gleitlager, in dem der Anker läuft. Außerdem sind hier die Magnete angebracht.

Das Gehäuse wird vom Motorkopf abgeschlossen. Dieser wiederum besteht aus mehreren Teilen. Er trägt zwei Kohlen, zwei Kohlefedern, die Lötlaschen für Stromversorgung und Entstörung und ein Kugellager/Gleitlager.
Motorkopf
Motorkopf. Die Federn drücken die Kohlen gegen den Kollektor. Es ist nur die silberfarbene Litze zu den Kohlen zu sehen.

Die Motoren kommen in verschiedenen Wicklungen oder Turns. Die Bezeichnung "23 double" sagt aus, daß der Kupferdraht 23 mal um einen Ankerpol gewickelt ist. Und zwar nicht ein Draht, sondern zwei (double). Je weniger Wicklungen ein Motor hat, desto höher ist die Drehzahl. Ein einfach gewickelter Motor hat mehr Drehmoment und härtere Beschleunigung als einer mit dreifacher Wicklung.

Das Timing des Motors wird durch Verdrehen des Motorkopfes auf dem Gehäuse verändert. Durch das Verdrehen ändert sich die Lage der Kohlen zu den Magneten. Nicht alle Motoren haben diese Möglichkeit. Oft ist eine kleine Skala auf dem Gehäuse aufgedruckt, die Auskunft über das Timing gibt. Die Angabe über das Timing erfolgt in Grad.
Wenn man das Timing hochsetzt, dreht man den Motorkopf gegen den Uhrzeigersinn. Zurücksetzten erfolgt im Uhrzeigersinn (wer hätte es gedacht...). Wenn man des Timing erhöht (gegen Uhrzeigersinn) erhöhen sich auch Drehzahl und der Motor zieht mehr Strom aus den Akkus. Die Effizienz wird schlechter und das Drehmoment nimmt ab. Zurückgesetztes Timing läßt den Motor nur langsamer drehen und heißer werden; sollte also immer vermieden werden.
Bei Motoren mit 15 und weniger Turns sollte das Timing zwischen 0 und 15 Grad gesetzt werden. Motoren mit mehr Wicklungen können mit 20 Grad Timing gefahren werden.

Kohlen gibt es in drei verschiedenen Zusammensetzungen: Graphit, Kupfer und Silber. Graphit hat den geringsten Verschleiß an Kohlen und Kollektor, aber auch am wenigsten Power. Kupfer ist gut für hoch drehende Modified Motoren. Der Verschleiß am Kollektor ist mittel, die Kohlen werden aber sehr schnell abgeschliffen sein. Power ist höher als bei Graphitkohlen. Die Silberkohlen eignen sich gut für Stockmotoren. Sie haben den geringsten elektrischen Widerstand, höchsten Kollektorverschleiß, mittleren Kohleverschleiß und am meisten Power.
Laydown Kohlen liegen flach am Motorkopf an. Sie werden oft bei Stockmotoren verwendet. Da sie weiter um den Kollektor greifen als Standup Kohlen, erzeugen sie höhere Drehzahlen.
Manche Kohlen sind angeschnitten. Diese Version erzeugt höhere Drehzahl, aber weniger Drehmoment.
Wenn die Kohlen anfangen sich bläulich zu verfärben, wird es Zeit, sie zu wechseln.

Die Federn drücken die Kohlen gegen den Kollektor. Je härter sie sind, desto mehr Strom wird aus dem Akku gezogen und desto höher ist die Kraft. Allerdings sinkt die Drehzahl. Bei weicheren Federn verhält es sich genau umgekehrt. Die Härte der Kohlen wird in Grad angegeben. Es wird einfach der Winkel zwischen den Federenden gemessen. Eine 135 Grad Feder ist weicher als eine 150 Grad Feder.

Die Kohlen und die Funken, die am Kollektor entstehen erzeugen elektrische Störimpulse, die das einwandfreie Funktionieren des Fahrtenreglers und des Empfängers beeinflussen können. Aus diesem Grund sollte der Motor entstört werden. Für die Entstörung sind Kondensatoren und eine Schottkydiode zuständig. Einige Motoren haben eine kleine Platine eingebaut, die den Job der Kondensatoren übernimmt. Das ist eine optisch sehr saubere und für euch bequeme Lösung. Ist eine solche Platine nicht vorhanden sollten drei 0,1 Microfarad Kondensatoren an den Motorkopf gelötet werden. Einen vom Pluspol an das Gehäuse, einen vom Minuspol an das Gehäuse und einen von Plus zu Minus.
Die Schottkydiode liegt meist dem Fahrtenregler bei. Ansonsten im RC-Laden nachfragen. Es gibt sie in verschiedenen Qualitätsstufen. Die Schottkydiode ist gepolt. Das längere und/oder markierte Ende ist die Plusseite. Die Diode wird zwischen Plus- und Minuspol gelötet.
Entstörung billig Entstörung mittel
Die billigste Variante, Die günstigste Schottkydiode und zwei externe Kondensatoren (der dritte fehlt auf dem Photo). Die mittlere Variante. Schottky im transparenten Schrumpfschlauch. Die Kondensatoren sind auf der kleinen grünen Platine.
Entstörung teuer
Die Luxusvariante. Sehr große, flache Schottkydiode
und zusätzliche Entstörmanschette um das Kabel (links im Bild).
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